Don't believe the hype

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Nach-G8-Artikel: Don't believe the hype, Polizeigewalt, Erweiterte Amtshilfe



Sammlung von Falschmeldungen zum G8 in den Medien, um daraus einen Artikel zu machen. Veröffentlicht auf Indymedia Deutschland: http://de.indymedia.org/2007/06/185734.shtml

Lügen

"Lasst uns den Krieg in diese Demo tragen"

Eine dpa-meldung verbreitet, dass der philippinische Soziologieprofessor und Träger des alternativen Nobelpreises Walden Bello von der Bühne herunter gesagt habe, man müsse "den Krieg in diese Demonstration tragen", während die Straßenschlachten passierten. Diese Meldung geht durch alle Medien.

  • Spiegel Online-Ticker von Samstag, 18.30 Uhr: "Auf der Kundgebungsbühne stachelt ein Redner die militante Szene auf: "Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.""
  • dpa-Meldung von Samstag, 18.41 Uhr: "Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: "Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts." Und dann beschwört er noch den Geist von Genua. Die italienische Hafenstadt ging 2001 mit einem zweifelhaften Eintrag in die G8-Annalen ein, als sich militante Demonstranten zwei Tage lang erbitterte Straßenkämpfe mit der Polizei lieferten."
  • Originaltext von Walden Bello: "Two years ago they said: 'Do not bring the war into the discussions. Just fucus on poverty reduction.", when we say: We have to bring the war right into this meeting. Because without peace there can be no justice. In other words: Let us raise the cry 'The United States and Britain out of Iraq!'. Let us raise the cry: 'NATO out of Afganistan!'. And in the next few days, let us make sure that the G8 is able to feel our presence by joining the blockades to drive them out of Heiligendamm. Down with the G8! Support the people of the world!"
  • Übersetzung während der kundgebung: "Vor zwei Jahren hat es geheißen wir sollen den Krieg nicht in die Diskussionen mit reinbringen, wir sollen uns nur auf Armutsbekämpfung konzntrieren. Aber ich sage wir müssen den Krieg hier mit reinbringen, denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben. Lasst den Ruf ertönen: 'USA raus aus Irak, USA raus aus Afghanistan!'. Und lasst uns sicherstellen, dass die G8 in den nächsten Tagen unsere Anwesenheit spüren, indem wir alle bei den Blockaden mitmachen und sie aus Heiligendamm vertreiben. Nieder mit der G8! Unterstützt die Völker der Erde!"
  • Korrektur von dpa am Sonntag, 15.59 Uhr: "Rostock (dpa) - Der Aufruf zum "Krieg", mit dem ein Redner während der Krawalle am Samstag in Rostock die militante Szene angestachelt hatte, war nach Darstellung der Protest-Organisatoren ein Übersetzungsfehler. Der zitierte Redner Walden Bello habe in seiner englischsprachigen Rede dazu aufrufen wollen, gegen den Krieg im Irak zu protestieren, teilte die globalisierungskritische Organisation Attac am Sonntag mit. In der deutschen Übersetzung wurde daraus: "Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts." Die Äußerung sei in diesem Zusammenhang missverständlich gewesen. Sie habe aber nicht auf Krawalle bei der Anti-G8-Demonstration abgezielt, betonte Attac."

Migrationsdemo: Vermummte als Grund für Polizeischikanen

Die Polizei begründete die Polizeischikanen bei der Demo am Migrationsaktionstag mit der Anwesenheit von 2.000 Vermummten in der Demonstration. Es seien Steine und Flaschen geworfen worden. Dies ist nicht wahr, was selbst vom (entmachteten) Einsatzleiter der polizei bestätigt wird.

  • RAV: "Im Verlauf behauptete die Pressestelle von Kavala, die Demonstration sei aufgehalten worden, da sich darin 2.500 vermummte, gewaltbereite TeilnehmerInnen befänden. Vor Ort bestätigte jedoch der Gesamteinsatzleiter, dass es zu keinerlei Straftaten gekommen sei und sich in der Demonstration kein einziger Vermummter befunden habe."
  • Legal Team: "Der örtliche Einsatzleiter schätzte die Demonstration als nicht gewalttätig ein und konnte keine Vermummung erkennen."

Blockaden: Steinewerfen als Grund für Polizeigewalt

Auf dem Weg zur Blockade bei Börgerende wurde eine kurzzeitig besetzte Straße unter Einsatz von Wasserwerfern und massiver Gewalt durch eine USK-Einheit aus Bayern geräumt. Die Tagesschau zeigt Bilder vom Wasserwerfereinsatz mit dem Kommentar: "Schließlich kommt es am Nachmittag doch noch zu Krawallen. Einige Demonstranten hatten mit Steinen geworfen, woraufhin die Polizei Wasserwerfer einsetzte." Bei der Aktion gingen keinerlei Angriffe von den DemonstrantInnen aus. Die Polizei räumte sie mit Tritten, Schägen und Knüppeleinsatz brutal von der Straße. Die Begründung, es hätte Stein- oder Flaschenwürfe gegeben, wird in verschiedenen Medien im Zusammenhang mit Polizeigewalt wiederholt.

Blockaden: Demonstrierende bewaffnen sich

  • ""es gab einen fall am westtor, wo die bullen ne pressemeldung rausgegeban haben, dass vermummte steine sammeln und mollies bauen, dann dort aufgefahren sind - parallel hab ich mit c.k. telefoniert und gefragt, ob er unruhe dort wahrnimmt, und der sagte, alles waer ruhig und friedlich. zu dem zeitpunkt stand im SPON ticker, dass es da gleich losgeht. c.k. hat dann noch den neben ihm stehenden SPON_reporter gefragt, der auch fand, alles ist friedlich und gesagt, dass das nicht von ihm sei, weil, da sei ja alles friedlich, sondern wahrscheinlich von dpa""
  • Ticker, 06.06.,19:50: "Gate II, Galopprennbahn (nähe Bad Doberan): immer noch beteiligen sich mehrere tausend Leute an der Blockade. Stimmung ist eigentlich ruhig und friedlich, doch Einsatzhundertschaften der Polizei stuermen immer wieder schnell in die Menge und ziehen sich wieder zurueck. Es gibt keine Gegenwehr und bisher auch keine Festnahmen. Die Einsatzhundertschaften melden Vermummungen aus der Menge an die Einsatzleitung."
  • Ticker, 06.06., 20:00: "Ein NDR-Reporter wurde dabei beobachtet, als er berichtete, dass es bei der Blockade am oestlichen Tor Molotow-Cocktails gebe. Auf Nachfrage sagte er, die Information stamme von dpa. Von der Blockade wird von mehreren Menschen, darunter ein Reporter von Spiegel-Online, berichtet, das von Vermummung, Steinen oder Molotow-Cocktails nichts zu sehen sei."
  • Polizei, 07.06.: Teilnehmer des verbotenen Aufzuges an der Kontrollstelle "Galopprennbahn " bewaffnen sich

Molotowcocktails bei der Galopprennbahn

ZDF Heute berichtet, bei der Blockade an der Galopprennbahn hätten sich DemonstrantInnen mit Molotowcocktails eingedeckt.

Agents Provocateurs sind "Autonome"

RTL Aktuell und ZDF Heute zeigen Bilder von der Enttarnung eines Agent Provocateur und sagen sinngemäß, Vermummte seien von Ordnern und friedlichen Demonstranten zurückgehalten worden, als sie Steine schmeißen wollten. Zitat RTL: "Vermummte wurden von Ordnern und friedlichen Deminstranten zurückgehalten, als sie Steine schmeißen wollten."

Zahl verletzter PolizistInnen

Wurfgeschosse gespickt mit Rasierklingen und Nägeln

  • Tagesspiegel, 04.06.: Tiefer Einschnitt
  •  !!!NEU!!! Rote Hilfe: "Eine weitere frei erfundene Meldung setzt die Polizei am selben Tag in die Welt: DemonstrantInnen hätten Kartoffeln mit Rasierklingen und Nägeln gespickt, um sie als Wurfgeschosse einzusetzen. Auch dieses Gerücht verschwindet ohne Belege wieder im fantasievollen Propagandaarsenal der Polizei."

Clowns attackieren mit Säure und Einwegspritzen

Anderes

  • taz, 14.06.: "Zahllose Beispiele von Falschmitteilungen sind dank der effektiven "Gegenöffentlichkeit" von indymedia, g8-tv.org und diversen anderen Internetforen und Blogs bereits an die Öffentlichkeit gedrungen. Dass dieser unbezahlte aus eigener Motivation geschaffene freie Journalismus nun den traditionellen Journalismus überholt, zeichnete sich schon seit Jahren ab, nirgendwo aber war dies deutlicher als auf dem G-8-Gipfel in Heiligendamm."
  • This article might be useful for you - shiar

Artikel: Don't believe the hype!

Die Zeit um die Gipfelproteste um Heiligendamm war geprägt von einem Medienhype, der uns die fantastischsten Dinge vermitteln sollte. Clowns griffen angeblich PolizistInnen mit Säure und Einwegspritzen an, der ominöse schwarze Block tauchte zufällig immer dann auf, wenn die Bullen prügelten und Menschen bewaffneten sich mit Mollies und Wurfgeschossen, die mit Rasierklingen und Nägeln gespickt waren, hieß es. Der Medienmaschinerie ist nichts zu schade, um den legitimen Widerstand gegen die Politik der G8 zu diffamieren. Hier eine Sammlung einiger Lügen, die den Weg in die Medien fanden oder dort entstanden.

Einige von ihnen sind inzwischen in manchem Medien korrigiert worden. Dennoch haben sie ihre Funktion erfüllt. Denn während die Falschmeldungen die großen Schlagzeilen beherrschten, mit denen ein verzerrtes Bild der Proteste vermittelt wurde, fanden die Korrekturen kaum noch Beachtung. Es ist inzwischen offenkundig, dass die Polizei während der Gipfelproteste Falschmeldungen verbreitet hat, die von den Medien meist unkritisch übernommen wurden. Doch ist diese Tatsache nicht mehr wichtig: Ein Dementi oder eine Korrektur ist schnell gemacht, der Eindruck der (falschen) Meldung aber bleibt.

„Lasst uns den Krieg in diese Demo tragen“

Nach den Auseinandersetzungen zwischen Polizei und DemonstrantInnen am 2. Juni waren die Medien geprägt von der Gewaltdebatte. Der „schwarze Block“ und „die Autonomen“ mauserten sich einmal mehr zum undurchschaubaren Schreckgespenst und Buhmann. Die Frage, wer für die Ausschreitungen verantwortlich war, war schnell beantwortet. Doch als ob die unkritische Übernahme von Polizeimeldungen nicht genug wäre, wurden weitere Manipulationen angewandt, um die Proteste zu diskreditieren.

Am Samstag um 18.41 Uhr hieß es in einer dpa-Meldung zur Rede des philippinischen Soziologieprofessors und Trägers des alternativen Nobelpreises, Walden Bello:

„Um 17.30 Uhr werden die ersten Autos angezündet, während unweit vom Tatort auf der Kundgebungsbühne ein Redner die militante Szene noch mit klaren Worten aufstachelt: ‚Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.‘“

Zum Zeitpunkt seiner Rede war die Polizei dabei, die Menge mit Wasserwerfern, Schlagstöcken und Tränengas auseinanderzutreiben. Für die Presseagentur war klar: Hier werden die „autonomen Randalierer“ von der Bühne aus aufgehetzt. So begann die Meldung ihren Weg durch die großen Medien (z.B. BILD, Spiegel Online, Stuttgarter Nachrichten, n-tv.de).

Was aber hatte Walden Bello gesagt? Anhand von Videoaufnahmen, die auch bei Phoenix und im ZDF ausgestrahlt wurden, lässt sich dies leicht nachvollziehen:

“Two years ago they said: ‘Do not bring the war into the discussions. Just fucus on poverty reduction.’, when we say: We have to bring the war right into this meeting. Because without peace there can be no justice. In other words: Let us raise the cry ‘The United States and Britain out of Iraq!’. Let us raise the cry: ‘NATO out of Afganistan!’”

Auch wenn die deutsche Übersetzung während der Demo Fehler enthielt, fand sich auch dort nichts, was eine Meldung wie die der dpa rechtfertigen würde. Dort hieß es:

„Vor zwei Jahren hat es geheißen wir sollen den Krieg nicht in die Diskussionen mit reinbringen, wir sollen uns nur auf Armutsbekämpfung konzentrieren. Aber ich sage wir müssen den Krieg hier mit reinbringen, denn ohne Frieden kann es auch keine Armutsbekämpfung geben. Lasst den Ruf ertönen: USA raus aus Irak, USA raus aus Afghanistan!“

Am Sonntag Nachmittag, fast einen Tag nach der Falschmeldung, reagierte die dpa dann auf eine Presseerklärung von Attac, behielt den Fehler aber im Grunde genommen bei. In der Agenturmeldung von 15.59 Uhr hieß es:

Der Aufruf zum ‚Krieg‘, mit dem ein Redner während der Krawalle am Samstag in Rostock die militante Szene angestachelt hatte, war nach Darstellung der Protest-Organisatoren ein Übersetzungsfehler. Der zitierte Redner Walden Bello habe in seiner englischsprachigen Rede dazu aufrufen wollen, gegen den Krieg im Irak zu protestieren, teilte die globalisierungskritische Organisation Attac am Sonntag mit. In der deutschen Übersetzung wurde daraus: ‚Wir müssen den Krieg in diese Demonstration reintragen. Mit friedlichen Mitteln erreichen wir nichts.‘“

Wie sich leicht nachprüfen lässt, ist auch diese Aussage falsch. Die Sätze Bellos wurden nicht in dieser Form übersetzt. Auf den Websites einiger Zeitungen ist der Fehler bis heute nicht korrigiert worden. Und auch dort, wo dies geschah, ist der Zweck trotzdem erreicht worden: Es sind die sich überschlagenden Meldungen im Medienhype, die hängenbleiben, nicht der Korrekturen, die einige Tage später (wenn überhaupt und häufig an wenig prominenten Stellen) veröffentlicht werden.

Mehr: Chronologie einer Falschmeldung

Manipulierte Verletztenzahlen der Polizei

Nach den Straßenschlachten vom 2. Juni, die es sogar schafften, in einem Boulevardblatt mit dem letzten Libanonkrieg verglichen zu werden, machte eine Meldung von über 400 verletzten Polizeibeamten die Runde, davon 30 bis 41 schwer. Einige Tage später relativierte sich diese Zahl: Recherchen der Tageszeitung junge Welt ergaben, dass sich am Dienstag noch ein Polizeibeamter in stationärer Behandlung befand. „Ein weiterer war bereits am Vortag entlassen worden. Bis auf diese beiden war kein einziger Polizist in ein Krankenhaus eingeliefert worden.“ Auch die Meldung, zwei PolizistInnen seien mit einem Messer niedergestochen worden, stellte sich kurze Zeit später als Falschmeldung heraus.

„Autonome“ werfen mit Rasierklingen gespickte Wurfgeschosse

Am 4. Juni berichtet u.a. der Tagesspiegel davon, dass von Demonstrierenden „Früchte und andere weiche Wurfgeschosse eingesetzt“ worden wären. Die Gegenstände wären „mit Rasierklingen und den Klingen von Tapeziermessern gespickt“ gewesen, zitiert die Zeitung einen „hochrangigen Sicherheitsexperten“. „Bei mehreren Beamten sei beim Aufprall dieser präparierten Geschosse die Uniform durchtrennt worden.“ Nachweis? Wozu?

Es ist an Absurdität kaum zu überbieten, eine solche Meldung in einer halbwegs seriösen Zeitung zu veröffentlichen, doch wundert nach den offenen Lügen der Polizei und der unkritischen Übernahme durch die Medien kaum noch etwas. Zumindest scheint diese Falschmeldung in den Medien nicht die große Runde gemacht zu haben – die eingesetzten Bullen wurden jedenfalls erreicht.

Migrationsdemo: Vermummte als Grund für Polizeischikanen und Demoverbot

An der Demonstration des Migrationsaktionstags am 4. Juni nahmen mehrere tausend Menschen teil. Sie startete am Flüchtlingslager Satower Straße und sollte mit einer Abschlusskundgebung im Stadthafen enden. Dazu kam es jedoch nicht, weil die Polizei den Demonstrationszug stundenlang aufhielt und schließlich nicht über die angemeldetete Route durch die Innenstadt ziehen ließ. Wie kam es dazu? Glaubt man der Polizei (was große Medien und Agenturen wie z.B. Reuters, Stern, NDR, Heute, Handelsblatt und auch die taz (2) unkritisch taten), dann geschah dies mit zwei Begründungen: Angeblich habe sich eine Gruppe von 2.000 bis 2.500 Vermummten in dem Aufzug befunden (die Zahlen variieren), die Steine und Flaschen geschmissen hätten, hieß es von Seiten der Polizei einerseits. Die andere Begründung war an Lächerlichkeit kaum zu überbieten: Die Demonstration sei zu groß. Sie sei nur für 2.000 Menschen angemeldet worden, es befänden sich aber über 10.000 Menschen in der Demo. Deshalb dürfe nicht durch die Innenstadt gelaufen werden, in der nur zwei Tage zuvor 80.000 Menschen demonstriert hatten.

De facto wurde am 4. Juni das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit außer Kraft gesetzt. Während die OrganisatorInnen der Demonstration alles dafür taten, jeglicher Provokation aus dem Weg zu gehen (was mit erstaunlicher Disziplin innerhalb der Demo auch gelang), setzte die Polizei alles daran, die Lage zu eskalieren. Im nachhinein berichteten RAV und Legal Team, dass selbst der örtliche, von der Kavala (für die Gesamteinsatzführung verantwortliche Abteilung der Polizeidirektion Rostock) während der Demo entmachtete, Gesamteinsatzleiter die Demonstration als nicht gewalttätig einschätzte und keine Vermummung erkennen konnte. Auch auf einer Anhörung zu den Geschehnissen um Heiligendamm am 26. Juni in Berlin berichtete eine der DemoveranstalterInnen, dass sie mit dem Einsatzleiter gemeinsam durch die Demonstration gelaufen sei, dieser aber keinerlei Vermummungen oder andere Verstöße erkennen konnte. Was aber im Gedächtnis bleibt, sind die von der Polizei – in diesem Fall Kavala – lancierten Falschmeldungen in der Presse.

Rebel Clown Army greift die Polizei mit Säure und Einwegspritzen an

Der Spiegel Online Ticker meldete am 5. Juni:

„+++ ‚Clown's Army‘ sprüht Gift gegen Polizisten +++ [11:42] Bei der Anti-G-8-Demonstration gestern in Rostock haben militante Demonstranten erneut chemische Flüssigkeiten gegen Polizisten versprüht. ‚Acht Polizisten mussten zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden‘, sagte Polizeisprecher Axel Falkenberg in Rostock. Dies sei ein in Deutschland bislang unbekanntes Vorgehen der militanten Szene. Verursacher seien Mitglieder einer Gruppe namens ‚Clown's Army‘, die aus Spritzpistolen die bisher unbekannte Flüssigkeit versprühten. Bereits am Samstag mussten mehrere Polizisten mit schmerzhaften Hautreizungen medizinisch behandelt werden.“

Diese Behauptung war eine Lüge, tatsächlich hatten die Clowns lediglich Pustefix für Seifenblasen in ihren Wasserpistolen. Die Meldung führte zur weiteren Aufladung des Feindbildes bei den eingesetzten Beamten, so dass einige Clowns zwangen, das Wasser aus ihren Wasserpistolen zu trinken.

Während zum Beispiel die Stuttgarter Zeitung den Angriff mit einer „unbekannte chemische Flüssigkeit“ wie eine Seifenblase zerplatzen ließ, zititert der NDR noch immer die längst widerlegten haltlosen Behauptungen der Polizei – ein Skandal von vielen.

In einem Artikel der BILD wurde schließlich noch ein Polizist zitiert, der aussagte, die Clowns würden PolizistInnen mit Einwegspritzen angreifen:

„Die Demonstranten, die als Clowns verkleidet waren. Sie haben uns extrem provoziert, immer wieder unsere Waffen angefasst, uns sogar mit Einwegspritzen gestochen.“

Einen Nachweis bleiben die "professionellen JournalistInnen" natürlich schuldig. Das interessierte das Magazin Cicero anscheinend nicht – es übernahm die Lüge einfach.

Blockaden: Steinewerfen als Grund für Polizeigewalt

Nach den Ausschreitungen von 2. Juni und den erfolgreichen Blockaden der Landwege nach Heiligendamm am 6. Juni stellte sich das durch die Gewaltdebatte der Tage zuvor geprägte Bild der GipfelstürmerInnen in der Presse sehr einfach dar: Während viele Menschen friedlich (und damit legitim) demonstrieren wollten, befanden sich unter ihnen einige (hundert oder tausend) „Gewalttäter“, die den gesamten Protest diskreditieren würden. Immer dann, wenn die Polizei mit Gewalt gegen DemonstrantInnen vorging, hatte dies einen einfachen Grund: Es waren „Vermummte“, „Autonome“ oder gar der „schwarze Block“ anwesend, die grundlos Steine und Flaschen auf die Polizei warfen und/oder sich mit Steinen und Molotovcocktails eindeckten.

So auch im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen mit der Polizei auf dem Weg zur Ostblockade bei Börgerende am 6. Juni. Anders als bei den anderen Blockaden war dieser Marsch durch die Felder nicht ohne Hindernisse zu machen. Bei der Überquerung zweier Straßen, die vor dem Blockadeziel lagen, ging die Polizei unverzüglich brutal gegen die DemonstrantInnen vor. Schon an der ersten Straße steckten viele beim „Durchfließen“ der Polizeiketten Tonfaschläge und Pfefferspray ein und sahen sich mit einem Wasserwerfer konfrontiert. Bei der zweiten Straße, die kurzzeitig besetzt wurde, schritt ohne zu zögern eine USK-Einheit aus Bayern ein und prügelte die auf der Straße sitzenden von der Straße. Dabei kam es zu Verletzungen. Ein Wasserwerfer schoß immer wieder aus nächster Nähe auf die BlockiererInnen.

In der Tagesschau (und vermutlich auch bei anderen) wurde dann so berichtet: Während Bilder vom Wasserwerfereinsatz auf dieser zweiten Straße gezeigt wurden (auch wenn ein NDR-Team beim Knüppelansatz in der Nähe war und immer wieder mit „Presse!“-Rufen aufmerksam gemacht wurde), erklärte die Stimme im Off: „Schließlich kommt es am Nachmittag doch noch zu Krawallen. Einige Demonstranten hatten mit Steinen geworfen, woraufhin die Polizei Wasserwerfer einsetzte.“

Bei der Aktion gingen keinerlei Angriffe von den DemonstrantInnen aus. Die Polizei räumte sie mit Tritten, Schlägen und Knüppeleinsatz brutal von der Straße. Die Begründung, es hätte Stein- oder Flaschenwürfe gegeben, wird in verschiedenen Medien im Zusammenhang mit Polizeigewalt wiederholt.

Agents Provocateurs sind „Autonome“

An der Blockaden des Osttores wurde am Mittwoch, den 6. Juni, eine Gruppe von Zivilbeamten der Polizei aus Bremen enttarnt, die versucht hatte, DemonstrantInnen dazu aufzustacheln, die Polizei anzugreifen. Sie waren schwarz gekleidet, um später auch ja dem Bild „der Autonomen“ zu entsprechen. Als sei der Einsatz solcher Agents Provocateurs nicht schon Skandal genug, setzten RTL Aktuell und ZDF Heute noch einen drauf: Sie zeigten Bilder von der erfolgreichen Enttarnung eines der bezahlten Provokateure und sagten sinngemäß, Vermummte seien von Ordnern und friedlichen Demonstranten zurückgehalten worden, als sie Steine schmeißen wollten. Dass es sich bei den „Vermummten“ um Polizeibeamte handelte wird geflissentlich übergangen. Hauptsache es passt in die medial vermittelte Spaltung zwischen „friedlichen“ und „gewaltbereiten“ DemonstrantInnen.

Don't believe the hype!

Mehr zum Thema auf englisch: Spin and rumours at the G8